Eine tödliche Bedrohung? Zur Diskussion um vermeintlich unfehlbare Aussagen

Ein Paukenschlag? Eher eine längst fällige Klärung über die vielen widersprüchlichen Signale, die uns seit Monaten aus Rom erreichen. Zum ersten: Die Amtszeit von Kardinal Müller ging zu Ende und Luis Ladaria, sein Nachfolger als Präfekt der Glaubenskongregation, gilt als ein nicht unbedingt fortschrittlicher, aber freundlicher Mensch. Wird er auch eine andere Theologiepolitik einleiten? Weiterlesen

Der Stellvertreterkrieg von Kardinal Woelki

„Bischöfe wollen Kommunionempfang für protestantische Ehepartner“, so titelte die KNA am 22.02.2018 etwas zu forsch, denn so eindeutig war der Wille der Bischofskonferenz nicht. Die Beschlussvorlage, schon vor einem Jahr kontrovers besprochen und seitdem „auf einem guten Weg“ (Kardinal Marx), löste erneut eine intensive Debatte aus, fand aber auch jetzt keine einmütige Zustimmung und wurde wegen angemahnter Änderungswünsche noch immer nicht veröffentlicht. Zudem wies Marx beschwichtigend darauf hin, es handle sich um kein dogmatisches, sondern (nur?) um eine „pastorale Handreichung“. Das alles machte keinen sehr entschlossenen Eindruck. Weiterlesen

Wie friedensfähig ist die katholische Ökumene? Angst blockiert Versöhnung und Frieden

„Durch Cottbus geht ein Riss“, das war am 20.03.2018 in 3sat zu hören. Eine Menge aufgebrachter Bürger zog durch die Stadt, um ihre Heimat zu retten ‑ so empört und verbittert, wie es die Pegida schon seit dreieinhalb Jahren tut. Ähnliche Risse gehen durch andere Städte und niemand weiß so richtig, wie diese Empörung zu besänftigen ist. Die Wütenden berufen sich auf bittere Erfahrungen, verödete Städte und sozialen Abstieg. Vieles hat man der Menge eingetrichtert; allerorten gaukeln ihnen die Demagogen ihre vergifteten Lösungen vor, aus denen kein Frieden wachsen kann. Weiterlesen

Zu einem Buch von Wolf Bruske über Homosexualität und christlichen Glauben

Hervorgehoben

Der polnische Priester Dr. Krysztorf Charamsa hatte in Rom eine glänzende Karriere vor sich. Er war Dozent an der renommierten Universität Gregoriana und versah einen vielversprechenden Posten an der Glaubenskongregation, der vielleicht wichtigsten der vatikanischen Behörden. Doch im Oktober 2015 bekannte er sich öffentlich zu seinem Lebenspartner und binnen kürzester Zeit war er aus seinen Ämtern entlassen. Weiterlesen

Was Gott gefiel und was man daraus machen könnte

Zum Schreiben der Glaubenskongregation vom 02.03.2018

Aus mehreren Gründen macht mich das Schreiben Placuit Deo hilflos. Und es enttäuscht. Formal fällt es in den kurialen Hofstil zurück, den Papst Franziskus schon hinter sich gelassen hatte. Weiterlesen

Weihnachten 2017 – Eine Nachbetrachtung

Es liegt mal wieder hinter uns, das Fest aller Feste. Kinderaugen haben gestrahlt, die Kirchen waren voll, das vertraute Klischee von der seligen Weihnachtszeit zog Jung und Alt in seinen Bann. Keine Frage, auch ich habe mit meinen Angehörigen, unseren Enkeln zumal, schöne Stunden erlebt. Doch mir entgingen auch die gehetzten Mütter und Väter nicht, die sich zuvor durch die Kaufhäuser drängten, auf den Rechnern ihre Bestellungen durchtakteten und nervös auf die letzte Paketsendung warteten. Weiterlesen

Die Religionen und die Krankheit des Fundamentalismus – Ein Interview

Im Namen der Religion geschieht weltweit Schreckliches. Und damit sind jetzt nicht nur Terroranschläge von Islamisten gemeint, selbst Buddhisten verfolgen in Myanmar Muslime mit großer Brutalität. Religionen wollen für Liebe und Barmherzigkeit stehen. Doch was nützen solche Ansprüche, wenn sich religiöse Menschen nicht daran halten? Diese Frage stellt sich der Theologe und Friedensforscher Hermann Häring. Häring war 25 Jahre lang Theologieprofessor in den Niederlanden. Seit seiner Emeritierung lebt er in Tübingen und arbeitet beim Projekt Weltethos und bei der Herbert Haag-Stiftung. Für ihn gilt das von Hans Küng geprägte Wort: „Kein Frieden auf Erden ohne Frieden unter den Religionen.“ Hans-Jörg Schultz hat sich mit Hermann Häring unterhalten. Weiterlesen

20 Thesen zur Zukunft und Neuorientierung der katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum

I. Die aktuelle Situation

  1. Wir leben in einer Zeit des tiefgreifenden Umbruchs. In ihr haben sich die großen Glaubensvisionen der vorhergehenden Epoche verflüchtigt. Neue Visionen sind nicht an ihre Stelle getreten.
    Dieses Vakuum ist der eigentliche Grund für die wachsende Bedeutungs- und Sprachlosigkeit der Kirche. Diese wurde im Jubiläumsjahr 2017 in ökumenischer Breite offenkundig.

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„Sie werden mich nicht verstehen“ – Bischof Kohlgraf hat sein Thema noch nicht gefunden.

Er ist freundlich und offen, lächelt ausgeglichen und was er in den letzten Jahren geschrieben hat, lässt viele hoffen. Musterzitate aus seinen letzten Büchern sind im Umlauf. Kirchliches Amt bedeute Beziehungsarbeit, Kommunikation und Hinhören, Diakonie sei ein Lebensvollzug der Kirche und es gelte, andere Leute nie für dümmer oder unmoralischer zu halten als sich selbst. Das sind Programmpunkte, die man gerne hört. Weiterlesen

Visionen bitte, statt nostalgischer Nabelschau!

DIE ÖKUMENE HAT IHR REFORMPOTENTIAL VERSPIELT

„Die große Zeit des Christentums liegt nicht hinter uns. Sie liegt noch vor uns“, mit solch ungetrübter Zuversicht kommentierte Kardinal R. Marx den ökumenischen Jubiläumsbeginn der Reformation (ZEIT, 27. Okt. 2016). Ich würde ihm gerne zustimmen, doch der Zustand der Ökumene spricht für das Gegenteil. Seit 50 Jahren versucht man sich in Vergangenheitsbewältigung, doch keine der großen Blockaden ist aus dem Weg geräumt. Erfolglos ging es erst um Konsens, dann um Konvergenz, schließlich nur noch um versöhnte Verschiedenheit. Amts- und Eucharistieverständnis bleiben umstritten, das Verhältnis von Schrift und Tradition ist ungeklärt. Das Papsttum mit seinen Exklusivansprüchen sorgt nach wie vor für Streit. Weiterlesen

Weltethos – Die Reformation des 21. Jahrhunderts?

Vom Weg in ein zukunftsfähiges Christentum

Herbst 2016, geraume Zeit schon laufen die Vorbereitungen zum Reformationsjahr auf vollen Touren. Seit 2008 läuft die Lutherdekade mit zentralen Themen wie Reformation und Bekenntnis (2009), Bildung (2010), Freiheit (2011), Musik (2012), Toleranz (2013), Politik (2014), Bild und Bibel (2015), Reformation und die Eine Welt (2016). 2017 soll sie im Reformationsjubiläum kulminieren. Die theologischen Fakultäten haben sich fit gemacht; abgehalten wurden Vorlesungsreihen, Symposien, Veranstaltungen in den Akademien. Margot Käßmann hat ihre weltweite Werbetour mit den bunten Lutherstatuen aus Plastik abgeschlossen und die Schlosskirche in Wittenberg ist rundum saniert. Viele freuen sich über das erste wirklich aufgeklärte Lutherjubiläum, doch andere rufen: „500 Jahre Luther sind genug“. Weiterlesen